Forschungsgruppe Kalisch

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Forschungsgebiet

Die Forschungsgruppe Kalisch innerhalb der Forschungsstelle Mittelpolen widmet sich der genealogischen Forschung und den damit verbundenen historischen Aspekte eines Gebietes, das durch die Grenzen des evangelisch-augsburgischen Kirchenkreises (Diözese) Kalisch beschrieben wird. Dieser war am 3. Juli 1794 mit dem Hauptort Kalisch (poln. Kalisz) eingerichtet worden. Die Diözese umfasste am 31. Dezember 1936 die evangelisch-augsburgischen Kirchengemeinden Babiak, Dąbie, Grodziec, Izbica Kujawska, Kalisch, Koło, Konin, Maślaki, Prażuchy, Sobiesęki, Sompolno mit den Filialen Ludwikowo und Kozy, Stawiszyn mit dem Filial Józefów, Turek, Władysławów, Zagórów mit dem Filial Lissewo-Peisern (poln. Lisewo b. Pyzdry), Zduńska-Wola mit dem Filial Sieradz.

Lage und Geschichte

Kalisch (Einwohnerzahl: 106 600 – Stand 31.12.2010 -; Fläche: 6940 ha ~ 71,4 km²) ist eine polnische Kreisstadt in der Woiwodschaft Großpolen (poln. Wielkopolski), die das Flußgebiet der mittleren und unteren Warthe (poln. Warta) umfasst. Sie ist gleich weit von den drei rund 100 km entfernten Städten Breslau, Posen (poln. Poznań) und Lodsch (poln. Łódź), an der Prosna gelegen.


Karte Diözese Kalisch zwola.png sieradz.png sobieski.png prazuchy.png turek.png dombie.png wladyslawow.png kalisch.png stawyzin.png josefow.png groziec.png peisern.png zagorow.png kolo.png konin.png maslaki.png babiak.png sompolno.png izbica.png ludwikowo.png Kalisch ist die älteste urkundlich belegte Stadt Polens. Im 11. und 12. Jh. war Kalisch eine Kastellburg, im 13. Jh. wurde es zum Hauptort eines Fürstentums und im 15. Jh. zum Hauptort einer Woiwodschaft. Nach der 1. Teilung Polens unter Preußen, Rußland und Österreich im Jahre 1773 (Teilungsvertrag vom 30. September 1773) wurde Kalisch Hauptort eines Departements. Die Errichtung der modernen Verfassung Polens am 3. Mai 1791 hatte den Russisch-Polnischen Krieg zur Folge, der in der 2. Teilung Polens unter Preußen und Rußland mündete. Dem am 24. Januar 1793 beginnenden Einmarsch preußischer Truppen in den Westteil Polens gingen ein Bündnisvertrag zwischen Preußen und Rußland vom 7. August 1792 und die Petersburger Konvention vom 23. Januar 1793 voraus. Am 25. September 1793 genehmigte der polnische Reichstag (Sjem) den Teilungsvertrag. Anschließend war Kalisch Teil der Provinz Südpreußen des Königreichs Preußen. Nach der Niederlage Preußens gegen Frankreich wurde Kalisch Hauptort eines Departements in dem von Kaiser Napoleon I. höchstselbst errichteten Herzogtum Warschau (Verfassung vom 22. Juli 1807). Nach dem Wiener Kongress von 1814/1815 gehörte die Stadt zum Königreich Polen, das unter der Doppelherrschaft (Doppelkrone) des russischen Zaren stand. Sie wurde Hauptort einer Woiwodschaft und ab 1837 – eines Gouvernements. Kalisch, das ein wichtiger Handels- und Finanzplatz war, entwickelte sich zu einer Industriestadt. Am 7. August 1914 wurde die Stadt durch deutschen Artilleriebeschuss schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nach der Wiedererstehung des polnische Staates am 10. November 1918 (Zweite Republik) – die Deutschen Truppen zogen nach dem Friedensschluss von Versailles aus Warschau ab und übergaben dem späteren polnischen Marschall Józef Piłsudski die Regierungsgeschäfte – wurde Kalisch Kreisstadt. Von 1939 bis 1945 gehörte Kalisch als Stadtkreis und Sitz des Landrates für den gleichnamigen Landkreis zum deutschen Reichsgau Wartheland. Am 23. Januar 1945 erreichte die sowjetische Armee das fast unzerstörte Kalisch. Von 1975 bis 1999 war Kalisch Hauptstadt der Woiwodschaft Kalisch.

Die Diözese Kalisch

Die Diözese Kalisch der Evangelisch-Augsburgischen Kirche umfasste von ihrer Gründung bis zu ihrer faktischen Auflösung eine unterschiedliche Zahl von Kirchspielen (Parochien). So hat Kneifel folgende Gliederungen festgestellt:

  1. Bildung der Diözese durch Verfügung vom 3. Juli 1794 (Prümers, aaO, S. 644 Nr. 45): Zduny, Adelnau (poln. Odolanów), Ostrowo (poln. Ostrów Wielkopolski), Krotoschin (poln. Krotoszyn), Koschmin (poln. Koźmin Wielkopolski), Władysławów (dt. Rosterschütz).
  2. Neue Departements-Einrichtung in Kirchen- und Schulsachen im Jahr 1797: Adelnau, Ostrowo, Kempen (poln. Kępno), Pleschen (poln. Pleszew), Kalisch, Stawiszyn, Grodziec und Władysławów.
  3. Kaiserlicher Ukas vom 14./26. Februar 1828 (Gründung des Warschauer General-Konsistoriums für beide evangelische Bekenntnisse): Kalisch, Konin, Żychlin (reform.), Władysławów, Grodziec, Stawiszyn, Prażuchy, Sobiesęki, Pabianice, Petrikau (pol. Piotrków Trybunalski), Zelów (reform.), Wieluń, Konstantynów, Alexandrów, Lodsch, Zgierz, Dąbie, Ozorków und die projektierten Kirchspiele in Zduńska-Wola, Kleszczów und Tomaszów Mazowiecki.
  4. Nach Lösung der Verwaltungsunion zwischen Lutheranern und Reformierten 1865: Kalisch, Prażuchy, Sobiesęki, Stawiszyn, Grodziec, Zagórów, Konin, Władysławów, Dąbie, Turek, Wieluń, Zduńska-Wola, Alexandrów, Konstantynów, Pabianice, Bełchatów (dt. Belchatow), Petrikau, Tomaszów Mazowiecki und Kleszczów. Dazu die Filialen: Józefów, Lissewo-Peisern, Maślaki, Koło, Łask, Panki, Poddębice, Huta Bardzyńska, Pożdżenice, Wielka Wola, Pilica, Dziepółć und Tschenstochau (poln. Częstochowa).
  5. Neuregelung nach Reichsrat-Gutachten vom 21. Dezember 1901: Władysławów, Stawiszyn mit dem Filial Józefów, Kalisch, Grodziec, Babiak, Chodecz, Dąbie, Prażuchy, Łask, Sobiesęki, Wieluń, Konin mit dem Filial Maślaki, Przedecz, Zduńska-Wola (einschl. Sieradz), Turek, Sompolno, Zagórów mit dem Filial Lissewo-Peisern und das Filial Koło. Das Filial Panki gehörte anfänglich dazu, ging aber später in der Kirchengemeinde Tschenstochau auf.
  6. Neuordnung durch Kirchengesetz vom 27. Dezember 1936: Babiak, Dąbie, Grodziec, Izbica Kujawska, Kalisch, Koło, Konin, Maślaki, Prażuchy, Sobiesęki, Sompolno mit den Filialen Ludwikowo und Kozy, Stawiszyn mit dem Filial Józefów, Turek, Władysławów, Zagórów mit dem Filial Lissewo-Peisern, Zduńska-Wola mit dem Filial Sieradz.

Nach Kneifel ging mit der deutschen Besetzung Polens 1939 die Evangelisch-Augsburgische Kirche in Polen unter. Die heute bestehende polnische Evangelisch-Augsburgische Kirche in Polen sei weder mit dieser identisch noch deren Nachfolger, sondern etwas Neues. Diese These gilt es durch weitere Forschung zu überprüfen.

Quellen:
Bussenius, Ingeburg Charlotte: Die preussische Verwaltung in Süd- und Neuostpreussen 1793-1806, Heidelberg 1959
Bussenius, Ingeburg Charlotte und Hubatsch, Walther: Urkunden und Akten zur Geschichte der preußischen Verwaltung in Südpreußen und Neuostpreußen 1793-1806, Frankfurt a.M. 1961
Davies, Nigel: Im Herzen Europas – Geschichte Polens, 4. Aufl. 2006, München
Kneifel, Eduard: Die Evangelisch-Augsburgischen Gemeinden der Kalischer Diözese, Plauen im Vogtland 1937
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971
Prümers, Rodgero: Das Jahr 1793. Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte der Organisation Südpreußens, Posen 1895
Werner, Albert und J. Steffani, Johannes: Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen, Posen 1898
Karte Evang.-Augsb. Diözese Kalisch gezeichnet von Anne Danner, 2012 nach A. Breyer

 
Ansprechpartner Leitung der Forschungsgruppe

Die Forschungsgruppe gehört zur AGoFF-Forschungsstelle Mittelpolen.

Dieter Pechner Rosenstraße 28 46485 Wesel Tel: 0281-530694
E-Mail

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